Unser Header Video – Technische und ästhetische Herangehensweise – Teil 1

Einblicke in die Produktion unseres Header Videos

Tobi Fröhlich •
Lesezeit: 4 Minuten

Über die Jahre haben wir in der Erklärfilmproduktion verschiedenste Stilistiken ausprobiert, uns Herausforderungen gestellt und stetig dazugelernt. Irgendwann ist dann der Punkt erreicht, an dem man eine ganze Menge Wissen und Fähigkeiten angehäuft hat, die allerdings sehr selten alle in einem einzigen Projekt kombiniert zum Tragen kommen. Das ist zwar schade, aber die Realität. Denn nicht jeder Kunde benötigt in seinen Filmen diese komplette Bandbreite, um seine Message angemessen kommunizieren zu können. Das zur Verfügung stehende Budget spielt natürlich auch eine entscheidende Rolle.

Da entsteht dann irgendwann natürlich das Bedürfnis, einen Film zu gestalten, in dessen Produktion wir uns nicht irgendwelchen Budget oder Zeitbegrenzungen unterwerfen müssen. Wir wollten also mal richtig die Sau raus lassen. Da kam uns unsere neue Website doch wie gelegen, um ein Narrativ zu motivieren.

2D oder 3D? Beides!

Zu Beginn des Prozesses haben wir uns natürlich über Dinge wie Story, Plot und allgemeinen Eindruck besprochen, den der Film haben soll. Darauf gehe ich aber in diesem Beitrag nicht genauer ein, sondern eher auf die technische und ästhetische Herangehensweise.

Unser neues Corporate Design hat uns natürlich bei der visuellen Gestaltung des Films maßgeblich beeinflusst. So entstanden die ersten Illustrationen in 2D und wurden schnell zu einem sehr detaillierten Storyboard, sowie zu einem ersten Animatic und auch ersten animierten Sequenzen. Hierbei wurden wir in unserer Entscheidung bestärkt, dass wir den Film gerne so dynamisch und filmisch haben möchten, wie möglich. Große dynamische Kamerabewegungen und detaillierte Animationen sollten also her. Die Rakete sollte sich im Flug drehen und schließlich an Planeten vorbeifliegen, die eine klare Räumlichkeit und Tiefe der Einstellung etablieren sollten. Wir wollten 3D Elemente aber nur an den Stellen nutzen, an denen sie auch wirklich einen Mehrwert bieten. Die Kombination von 2D und 3D Elementen war beschlossen.

Im Raum verteilte Planeten erzeugen in Kombination mit der Kamerabewegung Tiefe
Im Raum verteilte Planeten erzeugen in Kombination mit der Kamerabewegung Tiefe

Zu Beginn war die Aufteilung von 2D und 3D Elementen etwa 70 zu 30. Die 3D Elemente wurden in 2D Szenen eingefügt um diese dynamischer zu gestalten. Im weiteren Prozess hat sich dies allerdings verschoben, so dass eher 2D Elemente in 3D Szenen eingefügt wurden. Dies erlaubte uns den gewünschten dynamischen Umgang mit der Kamera.

Szenen die bereits in 2D fertig animiert waren, wurden neu überdacht und schließlich in 3D gestaltet. Das interessanteste Beispiel hierfür, ist die “Dschungelplanet Szene”. Hierbei bewegt sich die Kamera durch das Unterholz und gibt den Blick auf die Helden der Geschichte frei, bevor sie in die nachfolgende Szene überleitet. In der 2D Version war die Szene zwar auch interessant und vermittelte im Kern die gleiche Aussage, doch in 3D ist diese weitaus dynamischer und filmischer. So wird hier die Kamerabewegung z.B. von der Alienlibelle motiviert, die uns durch die komplette Szene führt.

Diese Szene wurde zudem nicht klassisch in 3D gestaltet, sondern in VR illustriert. So war es möglich sich beim Illustrieren als Teil dieser “Szenenwelt” zu fühlen und nach spannenden Winkeln für die Kamera zu suchen. Zudem war es durch diese Technik eine wahre Freude, die organischen Formen der Vegetation und des Planeten entstehen zu lassen.

Die fertig 3D-Illustrierte Szene wurde dann im 3D Programm, blender in unserem Fall, aufgeräumt und die Kamera mitsamt Animation wurde eingefügt. Nun fehlte als reines 3D Element nur noch die Alienlibelle. Diese wurde klassisch in 3D modelliert und animiert.

Diese Szene wurde dann aus dem 3D Programm exportiert und anschließend in After Effects durch das Einfügen der Charaktere vervollständigt. Diese sind also nicht 3D, sondern 2D-Elemente, was aber durch ihre Anordnung in der Szene und die Art der Kamerabewegung nicht weiter auffällt.

 Ansicht der Szene im 3D-Viewport
Gerenderte 3D-Szene
Gerenderte 3D-Szene mit eingefügten 2D-Elementen

Gestaltung und Nutzung

Wir haben früh im Prozess entschieden, dass der Film im Seitenkopf der neuen Website laufen soll. Und dies automatisch, sobald man die Seite besucht. Da aktuelle Browser den Sound von automatisch abspielenden Videos blockieren (zum Glück), war klar, dass der Film primär ohne Sound auskommen muss. Dies klingt zunächst nach einer nicht weiter wichtigen Unannehmlichkeit, ist aber durchaus ein relevanter Punkt. Denn Bewegtbild lebt sehr stark von der auditiven Ebene. Diese ist oft für den Großteil der Emotionen verantwortlich und ist in der Lage, verschiedene visuell unterschiedliche Einstellungen und Szenen zu verbinden. Entsprechend wurde die visuelle Gestaltung und Kohärenz des Films noch einmal ein gutes Stück wichtiger. Besonders die Übergänge von einer Szene in die andere mussten nun visuell “ineinander fließen”.

You Spin Me Round (Like a Record)

Dieser 80er Jahre Song hat zwei Aspekte unseres Films maßgeblich beeinflusst. Zum einen hat die Frisur des Sängers das Aussehen der Vegetation auf dem Alien-Dschungelplaneten maßgeblich inspiriert, zum anderen ist der Titel recht zutreffend, denn der Film sollte sich stetig wiederholen, also in einer Schleife wiedergegeben werden.*

Ein Looppunkt musste also erdacht werden, also ein Punkt, in dem das letzte und das erste Bild des Films identisch sind. So gibt es bei der Schleifenwiedergabe des Films keinen “Sprung”, wenn der Loop von vorne beginnt. Da wir auf der visuellen Ebene viel mit monochromen Farbflächen arbeiten, war die Platzierung des Looppunkts nicht besonders kompliziert. Die Kamerabewegung zu Beginn wurde so angepasst, dass sie einen vertikalen Schwenk von einer Farbfläche (dem Boden) nach oben vollzieht und so die Rakete dynamisch in Szene setzt. Diese Bewegung wurde am Ende des Films, ebenfalls durch einen vertikalen Kameraschwenk nach oben, auf eine identische Farbfläche, wiederholt. Sobald die Farbfläche das Bild komplett ausfüllt, endet der Film – oder kann nahtlos von vorne beginnen.     

 *Möglicherweise ist dieser Absatz frei erfunden.

Wie geht es weiter?

Dieser Beitrag gibt euch einen ersten Einblick in die Gestaltung und Umsetzung unseres Header-Videos. Es werden noch weitere Beiträge erscheinen, die sich mit anderen Aspekten dieses Videos beschäftigen. In einem nächsten Beitrag werde ich z.B. auf das Thema 3D-Rendering eingehen und welche Techniken wir hier verwendet haben, um 2D Illustrationen und 3D-Elemente nahtlos miteinander zu kombinieren.

Tobi
Fröhlich

tobi@lichtspieler.tv
0221 165 312 52


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